Stachelrochen retten die Welt

(1998)


 

 

Wir befinden in uns in einer fernen Zukunft. Unendliche Wassermassen umschließen den Erdball und bieten einer einzigartigen Vielfalt von Meereslebewesen Raum für eine ungewohnte Zivilisation. Dies sind die Abenteuer zweier kleiner Stachelrochen, deren Versuch in neue Dimensionen der Existenz vorzudringen.

Wir schreiben das Jahr 2358. Die Menschheit ist längst unbemerkt gegangen und hat Platz gemacht für neuen Blödsinn. Kaum waren sie nämlich ausgestorben, brachen die Tiere ihr Schweigegelübde und begannen sich wieder zu unterhalten. Viele Rätsel wurden deshalb natürlich sofort gelöst, wie beispielsweise daß Gürteltiere die besten Witze kennen, viele Amseln Abitur haben, Tauben aber nur Hauptschulabschlüsse und daß die meisten Tiere ihren Gott persönlich kennen, wenn nicht gar schon mal mit ihm im Urlaub waren.

Aufgrund einer komplexen Liebesgeschichte zwischen einem Rochen und einem Nagel vor vielen Jahren, ist die schönste, stärkste und intelligenteste Spezies dieser jungen, neuen Welt, der Stachelrochen geworden. Stachelrochen sind dunkelblau und tragen gerne selbstgestrickte Wollmützen, aber vor allem sind sie selten. So selten, daß sie in manchen Teilen der Wasserwelt sich gar den Status einer Legende verdient haben. In einem Winkel rechts vom Äquator jedoch wohnten zwei verspielte, lustige, kleine Exemplare dieser Art, ihre Namen waren 1von2 und 2von2 was einerseits auf ihre Seltenheit, sowie darauf schließen ließ, daß sie Geschwister waren.

Heute wollten sich die beiden Geschwisterrochen auf die Suche nach dem verlorenen Gral machen. So gingen sie zu ihrem Freund dem Großen Tümmler um sich sein Sonargerät auszuleihen. Natürlich konnten sie ihm nicht verraten was sie wirklich damit vorhatten – kein Delphin würde seine Ausrüstung jemals für mythische Unterfangen hergeben sondern allenfalls um kleine Grundeln und ihre Knallkrebsfreunde aus dem Sand zu locken. Aber 1von2 konnte glaubhaft versichern, daß eben so ein Knallkrebsfreund vor kurzem verschollen sei und nun müsse man ihn suchen gehen. Naja. Jedenfalls bekamen die beiden Rochen ihr Sonar und machten sich auf den Weg.

Die beiden schwammen zum stillen Ozean um etwas Ruhe bei der Suche zu haben und warfen ihr Gerät an. Schon bald hatten sie viele Sachen gefunden. Leider war nichts besonderes dabei. Ein Teppichhai, der ihnen einen viel zu teuren Läufer verkaufen wollte, eine Tigermuräne mit schrecklichem Mundgeruch und einen Tiefenmesser den wohl irgendeine Taucherin verloren hatte. Aber nicht die Spur eines Grals. Die beiden kleinen Stachelrochen waren jetzt wirklich müde und kuschelten sich in den warmen Meeresgrund. Doch plötzlich vernahmen sie in der Ferne ein leises Schluchzen. Die beiden Geschwister glitten langsam in die Richtung aus der das Geheule kam. Und siehe da, unter einer kleinen Alge saß ein Aalkind und weinte. „Was hast du denn du kleiner Aal?“ fragten da die beiden Rochen. „Ich will nach Hause zu meiner Mami!“, weinte der kleine Aal. Die beiden Rochen sahen sich an. Und nahmen den Aal bei der Hand und brachten ihn nach Hause. Dort angekommen rief die Aalmutter erfreut: „Ach, was bin ich glücklich, da ist ja mein kleiner verlorener Aal.“ Die Aaleltern waren den beiden Stachelrochen sehr dankbar und versprachen ab jetzt besser auf ihren Aal aufzupassen. Und die kleinen Geschwister hatten zwar nicht den verlorenen Gral wiedergefunden, dafür aber den verlorenen Aal. Das war doch wahrlich auch nicht schlecht, fanden sie. Außerdem konnten sie ihrem Delphinfreund so ohne schlechtes Gewissen sein inzwischen sehr vermisstes Sonargerät zurückgeben. Delphine ohne Sonar schwimmen nämlich immer hochkant.