Spaziergang am Fluss
(1999)
für den Wolkenstein Verlag


 

 

Die kleine Frau fand, das es besser war drei Monde zu haben als nur einen, oder gar keinen. „Wenigstens haben wir drei Stück“, dachte sie. „Wenigstens habe ich drei Stück“, dachte sie schnell hinterher. Die kleine Frau bewohnte nämlich einen Planeten im System der Vega und zwar ganz alleine. Ihr kleines Häuschen stand auf einem schmalen Felsen, hoch über einem kleinen Fluß und abends, wenn der Erste der 3 Monde hinaufstieg, saß sie auf der Veranda und trank ein Gläschen Cola. Spätestens beim dritten Mond schlief sie dann ein, deshalb konnte sie sich eigentlich gar nicht so sicher sein ob es nicht noch mehr von den ollen Trabanten gab. Naja, ihr Planet war jedenfalls mit Monden gesegnet.

Es ist sicher nicht so als hätte das kleine Fräulein das nicht zu schätzen gewußt, ja schon, sie fand es toll, danke Gott, danke. Drei Monde, super. Danke. Trotzdem war es wiederum auch nicht so, als würden die vielen Monde das kleine, zaghafte Ziehen in ihrem grasgrünen Herzen lindern. Jetzt, an diesem Abend, als die Frau das mit den drei Monden dachte, da war das Ziehen im Herzen besonders schlimm. Es wurde so schlimm das die kleine Frau, nach veganischen Maßstäben sogar ziemlich niedliche, weder zu breite noch zu hohe Frau, plötzlich vom Stuhl fiel. Sie fiel recht unangenehm auf den Hinterkopf und rollte dann unmerklich von der Veranda auf den sandigen Pfad der nach unten, zum Fluß führte. Der Weg war zwar holprig, aber verhältnismäßig weich, so hielten sich die Schmerzen des kleinen Mädchens in Grenzen als sie immer schneller durch Wald und Wiesen polterte. „Das ist doch mal eine tolle Abwechslung“, dachte sie und rollte mit einem breiten Grinsen im Gesicht weiter. Nach etwa 15 Kilometern Höhenunterschied und 463 Kilometern Entfernung, glitt die jetzt nicht mehr so hübsche Veganerin schließlich in den Fluß und verschluckte sich. „Scheisse, jetzt habe ich mich verschluckt“, dachte sie. Und dann war das Wasser auch noch saukalt. „Scheisse, das Wasser ist aber auch mal saukalt“, dachte sie. Und just in dem Moment, da sie sich all ihrer Kleider entledigt hatte und ihren Freischwimmer nachmachen wollte, da umarmten sie von hinten zwei große, warme Flossen. „Haaaallloo, du kleine niedliche Frau,“ sagte eine zarte Stimme „darf ich mich mal bei dir festhalten bitte? Mmhhh... Ist das gemütlich!“ Das kleine Fräulein war gelinde gesagt, erschrocken. Denn sie war unbekleidet, unterwasser und gerade einen 463 Kilometer langen Feldweg heruntergefallen. Und jetzt umarmte sie ein ziemlich großer Fisch. Was das Leben doch für Wendungen nehmen kann, wenn man mal nicht aufpasst und vom Stuhl fällt. Das niedliche Mädchen drehte sich um und war gleich nochmal überrascht. Was für ein stattlicher, schnittiger, wunderschöner Hai sie da umarmte! „Du bist aber ein schnittiger Hai,“ sagte sie und umarmte ihn zurück. Und knutschte ihn auf die Nase. „Oh danke... hehe.“ stammelte der Hai. „Ich äh, hehe.“ Und der Hai errötete sehr und hielt sich die Flosse vor sein Gemächt.

Nachdem der Hai sich etwas beruhigt hatte und die Verletzungen der kleinen Veganerin soweit verheilt waren das sie wieder spitzenmäßig aussah, erzählten die beiden sich ihre Lieblingsgeschichte und gingen abendessen. Dann rauchten sie zwei Zigaretten und knutschten ein bißchen. Erstaunlicherweise stiegen sie erst dann aus dem Fluss und zogen sich frische Sachen an, der Hai nahm ein rotgelbes Hawhai Hemd und das hübsche Fräulein ein Yamamoto Kleid sowie ein neues DKNY Sport Top. Aber diese Kombination sah so unglaublich beschissen aus, das beide sich sofort wieder ihrer Kleider entledigten und schnell nackt den Fluss entlang liefen. „Warte Hai!“, rief da die Frau, „Warte! Wir brauchen doch gar nicht so zu rennen, wir sind doch eh alleine hier auf diesem Planeten.“ „Stimmt“, meinte da der Hai, „Wir brauchen uns ja überhaupt nicht zu verstecken. und außerdem ist es hier ja konstant 29 Grad Celsius und davorne ist der Strand, das Meer und Palmen.“ Und der Hai lief zum Strand und baute eine Bambushütte in der die beiden von da an lebten. Am Abend dieses Tages, an dem doch wirklich sehr viel passierte, saßen die beiden vor ihrer Bambushütte auf der Veranda und schauten aufs Meer. „Mann, ist heute vielleicht viel passiert“ sagte das Mädchen. „Hm.“ grummelte der Hai. „Sag mal, den wievielten haben wir eigentlich?“ fragte sie da. Der Hai überlegte kurz, sah aber dann doch auf die Muscheluhr. „Wir haben... 2035.“ Das plötzlich unwahrscheinlich schöne Mädchen fing an zu strahlen und lachte, küßte den Hai und sprach: „Ach, dann geht’s ja.“ Dann zeigte sie den 3 oder 4 Monden den Stinkefinger und lief kichernd den Strand herunter, während der liebe Hai weiter die Limonade genoß und sich schnell nochmal eine ansteckte.