Sommerzauber
(2006)
Auftragsarbeit für eine Werbeagentur


 

 

Die Vögel zwitschern, ein Auto hupt ein freundliches Hupen und ein junges, blondes Mädchen namens Bettina spürt die Sonnenstrahlen auf ihren Wangen. Das Gras ist weich und warm, die Blumen duften - wenn ich raten müßte, würde ich sagen: es ist Sommer!

Bettina streicht sich die blonden Haare aus dem Gesicht, öffnet die Augen und strahlt! Sie setzt sich auf während der Wind ihr Sommerkleid wieder in Position bringt und sieht sich gutgelaunt um. Auf den Wegen im Park eilen die Menschen vorbei und haben kaum einen Blick für diesen schönen Tag übrig. Nicht mal den Eiffelturm sehen sie noch, so ernst und traurig laufen sie über die Schotterwege und durch die Gassen der Stadt.

„Immer nur faul im Gras rumliegen“, das haben wir gerne, brummelt ein alter Mann in seinen langen Bart. „Ich liege nicht faul im Gras!“ lacht Bettina zurück. „Ich sorge für gutes Wetter! Das erfordert sehr viel Konzentration und ist harte Arbeit. Ich möchte Ihnen das eben mal zeigen.“ Mit diesen Worten legt das junge Mädchen ihre Zeigefinger an die Schläfen, schliesst die Augen wieder und macht ein angestrengtes Gesicht. Der alte Mann indes, schaut leicht verstört, bleibt aber interessiert.

Plötzlich bildet sich ein kleines, graues Wölkchen über seinem Kopf und erste Regentropfen fallen auf seine Nase. Bettina springt auf und ruft: „Na? Sehen Sie? So etwas ist nicht einfach! Nur mit einem ganz kleinen Wölkchen habe ich schon viel zu tun. Und dann überlegen Sie mal was so ein großer schöner Sommertag bedeutet....“ Der alte Mann steht im Regen und nickt. „Nun, da haben Sie Recht, schönes Fräulein. Das wußte ich nicht. Könnten Sie das Wasser jetzt bitte abstellen?“ Bettina, die junge Zauberin, schaut gnädig und läßt die Wolke wieder verschwinden. „Noch einen schönen Sommertag!“, wünscht das blonde Mädchen noch zum Abschied, und hüpft in ihrem rosa Sommerkleid über das Gras davon. Im Gras hüpfen macht nämlich Spaß. Barfuß.

Aber auch das schönste Gras ist irgendwann zu Ende, vor allem in Pariser Parks. Schnell in die Flip-Flops geschlüpft, ein Blümchen ins Haar und schon ist Bettina gerüstet für das Stadtleben. Der Mann vom kleinen Kiosk an der Ecke ruft schon von weitem nach ihr und drückt ihr die Lieblingszeitung in die Hand. „Merci!“ sagt Bettina freundlich und macht sich auf den Weg in ihr Lieblingscafe. Dort setzt sie sich auf ihren Lieblingsplatz und wartet auf ihren Lieblingskellner.

Gaston jedoch, schaut gar nicht gut gelaunt. Bettina versucht es mit ihrem schönsten Flirt-lächeln, flötet ihre Frühstücksbestellung geradezu in des jungen Mannes Ohr – allein, es hilft alles nichts. „Ja, hm, ein Milchkaffee, jaja, hrm. Grmbl.“ So ungefähr hört er sich an. Und schleicht von dannen. Für Bettina eine Aufgabe! Die Gute-Laune Frau zur Rettung! Zuerst konzentriert sie sich nochmal, obwohl sie ja eigentlich Pause hat, und zaubert noch mehr Sonnenstrahlen in das Cafe. Und dann weht sie ihrem Gaston noch einen blumigen Duft in die Männernase. Doch seine Laune bleibt schlecht. „Sag mal Gaston, was ist denn mit dir los? Du schaust ja wie 3 Tage Regenwetter!?! Ist etwas passiert?“ fragt Bettina endlich. Gaston schaut betrübt, tiefe Ringe unter den Augen. „Es ist nicht zu fassen.“ sagt er da. „Seit drei Tagen regnet es auf dem Damenklo. Ständig muß ich wischen, Tag und Nacht. Ich schlafe ja kaum noch!“ Den letzten Satz brüllt er fast. Und schüttelt dann wieder traurig den Kopf.

Bettina schluckt. Sollte es tatsächlich.... Sollte sie etwa ihre kleine Wolke... als ihr kürzlich ein wenig zu warm war, mittags, beim Schminken....? „Moment mal!“ ruft die junge Frau da schnell, rennt aufs Damenklo, sieht Petra, ihre Zweitwolke, die ihre Freundin Bettina schon ganz dolle vermißt hatte, sammelt sie ein, stellt dafür einen Sonnenstrahl ans Waschbecken und rennt wieder zurück. „So, das wäre geregelt Gaston. Tut mir leid wegen der Wolke!“ Der nette junge Mann schaut verdutzt. Aber als er feststellt, das aus seinem Cafe plötzlich die Sonne scheint, verschwinden die Ringe und das Lachen ist zurück. „Merci Bettina.“ Nichts zu danken, denkt sie sich und findet, das sie durchaus häufiger mal irgendwo eine kleine Regenwolke vergessen könnte. Wenns passt.