Ein Abend mit Long John Hai

(1996)

 Für Elena


 

 

Als ein kleiner Hai morgens aufwachte, war es so dunkel, daß er die Flossen vor Augen nicht sehen konnte. Natürlich erschrak er auch, aber im großen und ganzen wunderte er sich nur in gewaltigem Ausmaß, denn um diese frühe Morgenstunde war der kleine Hai gewohnt eine angenehme Helligkeit vorzufinden. Er beschloß, sich am besten erst einmal ein wenig zu bewegen um dem Geheimnis der Dunkelheit auf die Spur zu kommen. So schälte er sich aus der sicher teuren Muschel in der er geschlafen hatte und zog seinen Sportanzug an. Denn er vermutete schon, daß diese Erkundung anstrengend werden könnte. Der kleine Hai schwamm in die Richtung in der er links glaubte, aber das war auch nicht so wichtig weil Haie rechnen sowieso nur in oben und unten. Nach einigen Metern (Was enorm viel ist für so einen kleinen Hai),wurde es heller und als er sich herumdrehte sah er einen riesigen Schatten, der sich über einen Teil des Meeres zu erstrecken schienend weil auch schon sehr kleine Haie wissen, daß die Sonne oben auf dem Wasser liegt um, wenn sie angeschaltet ist das Licht zu spenden, beschloß der überaus kleine Hai sich dem Schatten von oben her zu nähern.

Tatsächlich konnte der Hai von hier oben viel mehr erkennen - vor allem, daß es ein riesiges Ding war, im Meer drin. Was mag das wohl sein, daß es hier so still herumliegt ... dachte der kleine Hai und schwamm näher in Richtung Objekt. Dunkelblau war es und irgendwie sah da ein Teil aus wie eine Flosse, ja es schien ein Fisch zu sein, welcher so gewaltig war, daß es dem kleinen Hai die Sprache verschlug. Er fühlte sich auf einmal so unbedeutend ... denn schließlich war bis gerade eben zwar klein, aber immerhin ein Hai gewesen und das wollte ja schon was heißen in der Meereswelt. Und jetzt war da dieses Riesending ... er fand das Scheisse. Dieses waren seine Gedanken während er zum vorderen Ende des großen Tieres schwamm und so passierte er eine fette Rückenflosse, mehrere Kiemen, ein Auge und letztendlich auch das Maul des protzigen Meeresgeschöpfes. Tapfer baute er sich vor dem dicken Ding auf und schrie ganz laut: "Du, was machst du hier und überhaupt, was denkst du, daß du hier einfach so groß sein darfst?!! "Eine kleine Pause entstand. Der kleine Hai war sich nicht sicher ob das große Tier ihn gehört, geschweige denn gesehen hatte. Doch dann grollte es plötzlich im Bauch des großen Geräts und ein Satz kam heraus: "Ich bin ein Hai, was glaubst du denn was ich bin? "Der kleine Hai war erst kurz verdutzt, aber dann konnte er nicht mehr anders - er prustete vor Lachen..."Du? Du ein Hai? HaHaHa..das ... das is ja wohl 'n Witz wie!!!" "Wie sollte ein Hai denn sonst aussehen du kleines Ding", sprach da der große Hai, "schau doch mal richtig hin!" Der kleine Hai mußte zugeben, jetzt wo der große Hai das so sagte, eine gewisse Ähnlichkeit war dem mächtigen Tier nicht abzusprechen, nein eigentlich sah es sogar genauso aus, wie ein Hai auszusehen hatte. "Mensch", sagte da der kleine Hai," wenn du ein Hai bist, dann bist du der größte Hai den ich je gesehen habe, du mußt der Überhai sein, der Gotthai, oder nein jetzt fällt es mir ein - du mußt Long John Hai sein, das berühmte Vorbild ganzer Generationen!!!"

"Sag mal, bist du denn völlig benagelt, ich bin doch nicht groß, ich bin doch ganz normal," sprach Long John Hai," was redest du denn da für einen Unsinn von wegen 'Riesenhai' und so - stimmt doch gar nicht." Der kleine Hai war außer sich: "Aber was ist denn hier los?!! Du siehst doch wie viel größer du als ich bist, das muß dir doch auffallen, daß ich viel kleiner bin und überhaupt, ich könnte ja auf deinen Zähnen Schlitten fahren, so viel gewaltiger bist du ... !" "Ruhe!!!" ,schrie da der große Hai und unterbrach den kleinen Hai damit doch recht abrupt. "Natürlich bist du kleiner als ich, denn ich bin ein Hai und du bist nur eine kleine Garnele und jetzt geh besser nach Hause, deine Eltern warten sicher schon, es wird schon dunkel gleich wird die Sonne abgeschaltet. Und sei froh daß du an so einen netten Hai geraten bist und nicht an meine Tochter, die ist nämlich noch größer und darüber hinaus noch temperamentvoll." "Gut", sprach da die kleine Garnele und schwamm nach Hause. Zum Glück war Mutters Algensuppe noch warm, das war nämlich ihr Lieblingsessen.

ENDE .