Die Geschichte von den drei Martins

(1995)
Für Martin


 

 

Martin saß auf einer Bank rechts vom wichtigsten Baum des Parks und aß eine Packung Kekse die er soeben erstanden hatte. Bald mußte er feststellen, daß diese ungenießbar waren denn er vergaß wieder einmal sie auszupacken. In hohem Bogen fliegen sie schon in den nächsten Mülleimer und - Volltreffer. Mit vortrefflicher Professionalität versuchte er danach diesen Vorfall zu vertuschen, aber es war zu spät.

Martin stand schon seit tagen auf dem Eifelturm und versuchte seine Fantaflasche zu öffnen. 65 Kästen hatte er bereits verschlissen und noch kein Tropfen der leckeren, gelben Flüssigkeit war seinen Rachen heruntergeeilt. Er mußte zugeben daß seine Methode gewisse Schwachstellen hatte, aber er gab nicht auf. In hohem Bogen flog wieder eine Flasche dem Boden entgegen und Martin machte sich auf den weg sie einzuholen. Auf halbem Wege passierte dasselbe wie schon zig Male vorher. Die Flasche ging zwar auf aber gleichzeitig ging sie auch „im Arsch“ wie Martin süffisant bemerkte. Als Jean -Paul Belmondo vorbeikam fiel desweiteren die folgende Wortfolge aus dessen Mund in Martins Ohr: "Martin,je'vous moi BouteilleÖvner?" Das wiederum fand er zu recht so unverschämt das er die restlichen 109 Kästen auf ihren vorbestimmten Weg schickte nicht ohne ihnen noch ein tres' angesäuertes "Aurevoir" mit auf die Reise zu werfen.

Martin war schon acht Mal verhaftet worden diese Woche. Der Polizeiinspektor betrachtete ihn nicht ohne eine gewisse gewaltige Angenervtheit. "Herr Martin," brüllte er, "wenn sie mir das bitte mal erklären würden. Sum achten Mal muß isch sie aus einer tres prekären Situassion 'eraus'olen. Sie `ocken auf einem Auto und be`aupten dann sie suchten ihre Schlüssel, sie machen bei Karstadt in die Süßischkeitenabteilung und wollen uns weismachen ihre Exkremente `ätten laut und deutlisch nach ihren Freunden geschrien, danach stehen sie unter dem Eifelturm und erklären uns die riesige gelbe Lache davor stamme nischt von ihnen...""War sie auch nicht!", warf Martin dazwischen, "Ruhenatürlichement", stellte der Inspektor die Dinge sofort wieder dahin wo sie vorher gewesen waren. "Außerdem reicht der Rest ja auch um ihnen mal folgende Frage zu stellen Herr Martin: Können sie nischt mal auf Klo ge`en wie andre auch? "Martin war erstaunt. "Bitte was?" sagte er, "Aber... aber ... das mach ich doch!!!",schrie er dann plötzlich ganz unwillkürlich. Der Polizeiinspektor verzweifelte. "Ich denke sie sind ein Fall für den 'auspsychiater. Und genau den `ole ich jetzt besser mal", sprach er und verpieselte sich. Martin erkannte die Situation sofort und reagierte genau so schnell wie die sieben Mal zuvor: er ging.

Der Zufall wollte es das alle drei Martins sich dann zur gleichen Zeit auf die gleiche Bank im Park setzten und über das Geschehene nachsinnten. Und da sie alle doof aus der Wäsche schauten fragten sie sich gegenseitig nach ihrem Leid. Und welch Glück und Freud!!! Der Martin mit den Keksen hatte einen Flaschenöffner und der mit dem Scheissproblem wußte einen Trick wie man die Kekspackung aufkriegte und Der mit der Fante(wußte wo die Toiletten waren. So kam es daß sie dort saßen, Kekse aßen und Fanta tranken und hinterher machten sie einen stattlichen Haufen. Danach saßen sie natürlich um so entspannter auf der Bank und als Rodja vorbeikam hatte Martin ein süßes Lächeln im Gesicht. "Hey Martin, bin ich zu spät, wartest du schon lange?, keuchte Rodja reichlich außer Atem. "Nö vielleicht zehn Minuten" kommt Martins Antwort." Ja dann komm Martin, laß uns schnell beeilen, wir sind ja schon etwas spät dran nu". Die beiden Freunde machten sich auf den Weg. “Und übrigens, Martin, weißt du warum ich jetzt erst komme, irgendso'n seltsamer Vogel hat 174 Fantakästen vom Eifelturm geworfen, Riesenverkehrschaos hat das ausgelöst..." "Ach was..."

ENDE.