Die beeindruckende Erzählung
vom kleinen Hai

(1994)
Für Elena


 

 

Wie schon erwähnt, es war einmal ein mehr oder minder, kleiner Hai. Er war nicht sonderlich groß und damit relativ klein. Seine Größe, die also nicht unbedingt bedeutend war, soll aber im Fortgang dieser Geschichte keine Berücksichtigung mehr finden. Dieser Hai, welcher schon ziemlich klein war, ging über eine kleine Straße, die in etwa der Größe des Hais entsprach und damit nicht sonderlich breit, oder sogar lang war. Wie der Hai so mirnichts, dirnichts diesen Weg beschritt, passierte erstmal gar nichts. Da nichts passierte, dachte sich kleine Hai: "Hier ist alles sehr langweilig, vielleicht sollte ich doch von der Straße abgehen, tiefer in den Wald hinein. Denn eine Geschichte, ohne daß etwas passiert ... das geht doch nicht." So ging der Kleine Haifisch tiefer und tiefer in den dunklen Wald.

Die tiefhängenden Äste der vielen Fichten und Tannen streiften sein glattes, dunkelblaues Gesicht, richteten aber keinen bleibenden Schaden an, denn der Hai war ja einiges gewohnt aus seiner Heimat, dem großen Meer. Aber mit seinen glitschigen Flossen fiel es ihm zunehmend schwerer ordentlich zu gehen - und das, obwohl er sich redlich bemühte, denn seine Mutter hatte ihm immer gesagt, er solle auf seine Haltung achtgeben wolle er jemals ein richtiger Hai werden. Und nun diese vielen glatten Wurzeln am Boden, all das Moos und Geflecht - er konnte einfach nicht mehr anders als sich mit seinen Zähnen von Ast zu Ast zu hangeln und so mehr blauen Flecken, welche man auf seiner Haut fast überhaupt nicht wahrnahm, aus dem Wege zu gehen. Nebenbei sah der kleine Hai nichts mehr und er hoffte bei der heiligen Auster von Mariana, daß jetzt schnell eine Lichtung käme auf der er seine Haiaugen endlich wieder in Betrieb nehmen könnte und auf der auch endlich etwas passierte. Denn langsam aber sicher wurde er des Wartens und Heilhabens an einer Geschichte in der nichts passierte, wirklich überdrüssig.

Zum Glück war der Verfasser dieser Geschichte ein enger Freund des Hais und so erschien die Lichtung, die sich unser kleiner Fisch gewünscht hatte, auch prompt. Fast so abrupt, daß der kleine Hai dachte: "Hm ... hoffentlich war das mal kein Eigentor". Glücklicherweise hatte aber niemand den Betrug bemerkt. Beim Imbisstand auf der Lichtung erstand der kleine Hai zwei völlig irrelevante Fischbrötchen und bezahlte dafür mit einem Kunststück welches er von seinem Onkel gelernt hatte. Er machte folgendes: mit seiner Rückenflosse öffnete er eine Dose Fanta während er zeitgleich dem Imbissbudenbesitzer die Worte "Hallo Vatter, wie geht’s Mutter" per Haifischzahn in die Schulter tätowierte und die Kellnerin mittels Schwanzflosse all ihrer Kleider entledigte. Zwei Mark mußte er indes noch nachzahlen, vor allem auch weil die Kellnerin ihre Unterhose nicht wiederfinden konnte. Am Büdchen lernte er dann einen Hai namens Sharky kennen und dieser überredete ihn, seiner Organisation beizutreten welche da heißt: "Little Sharks Attacking Company".

Die beiden rannten dann schnell wieder in den Wald, um Pläne zu schmieden wie sie mich am besten ärgern können wenn ich morgens duschen gehe. Und weil sie nicht gestorben sind, machen sie das bis heute und sicher noch viele weitere Jahre.
 

ENDE .
 

Diese Geschichte wurde mit links geschrieben, weil einer der beiden Sharkies mir die rechte Hand abgebissen hat.