Der Nord-Süd Konflikt

(2000)
Für Frank


 

 

Schon seit einiger Zeit ist es eine unumstößliche Tatsache, daß die Welt von Norden nach Süden bunter wird. Wenige wissen, was für kontroverse Diskussionen diese gemeine Ungerechtigkeit schon in der Tier- und vor allem in der Unterwasserwelt ausgelöst hat. Es kommt nicht von ungefähr daß Karpfen, Hechte und Kampfhunde oft dermaßen schlechtgelaunt sind, und daß auch bei Andreas Möller die Mundwinkel beim Lachen nach unten gehen. Wenn also nun, sagen wir, eine (vielleicht verwitwete) Dohle einem Papageifisch begegnet, ist Ärger vorprogrammiert. Aufgrund der hermetisch abgeriegelten Datumsgrenzen kommt kommt das natürlich fast nie vor, denn bekanntlich haben Dohlen und bunte Fische selten frei und wenn doch, dann niemals zur gleichen Zeit. Aber wie so oft in Tierkreisen, gibt es auch hier einen Spezialfall; denn eines Morgens beschloß eine schlechtgelaunte Dohle, den Sechs-Uhr-Zug zum südchinesischen Meer zu nehmen um dort ihre Witwenrente auf den Kopf zu hauen. Die Dohle, deren Name Gaddafi war, saß also schon bald zur völlig falschen Zeit am völlig unerwarteten Ort, nämlich am Strand unter Palmen; Sie trank Beobier, weil Dohlen, wie schon gesagt, selten in die Südsee kommen, weshalb man weder Dohlenbier (obwohl die Dosen klein sind) noch z.B. Karpfenkekse hierher importiert. Nach und nach besserte sich Gaddafi`s Laune, die Sonne schien auf sein schwarzes Haupt und das Meer umspülte seine grauen Füsse.

Die Dohle ließ es sich gutgehen und blieb einfach sitzen, den ganzen Tag und die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag. Dann plötzlich bemerkte sie jedoch daß ihren rechten Fuß ein geschmackloser bunter Schuh schmückte. Hey, dachte Gaddafi, ich hab doch gar kein,- "Hey, was soll das!.." ... "Hhllll", sagte der Schuh. "Bitte?, was!?", schimpfte die Dohle los- "was machst du an meinem Fuß du alberner Schuh!" Der Schuh nahm Gaddafi`s Kralle aus dem Mund. "Ich bin kein Schuh, ich bin ein Fisch du dumme Sau. Und zwar ein Papageienfisch, und ich wollte dich essen."

Wir sehen also, daß diese äußerst unwahrscheinliche Begegnung zwischen dem schwarzen Vogel und dem bunten Fisch auch noch extrem schlecht startete. Nach vielen Wochen und Monaten des Streitgesprächs und der Schlägereien, Kriege und Rebellionen saßen Gaddafi und der Papageienfisch, dessen Name Frank war, zusammen am Strand und stellten erschöpft fest, daß sie die meisten Mißverständnisse nun ausgeräumt hatten.

Einen Fuß ins Wasser zu halten bedeutet im Papageienfischland nämlich in etwa so was, wie im Deutschland-Block die Holland Fahne rauszuholen, wobei für Dohlen das Essen von Füssen ein Akt intimster sexueller Zuwendung ist, wogegen Beschimpfungen bei bunten Fischen wiederum recht normal und eher Ausdruck von Respekt sind. Nachdem das also alles geklärt war, legte Gaddafi Frank den Flügel auf die Schulter und sagte, "Ich hätte ja nie gedacht daß ich mich nochmal mit jemandem buntes anfreunden würde der bunt ist, du alte Arschsau!" Woraufhin Frank Gaddafi nochmal so richtig eine reinhaute; denn soweit ging die Völkerverständigung dann doch nicht.