Der Fledermausrabe
(1999)



 

 

Diese Geschichte ist wahr, das schwöre ich bei meiner rechten, kleinen Kralle. Sie muß sich irgendwann im 12. Fledermaus oder Rabenjahrhundert zugetragen haben, kurz vor der Besiedelung des zweiten Planeten von links. Zu dieser Zeit lebte hier ein Rabe, der sehr viel zu tun hatte. Tagsüber mußte er sein Rabenleben leben, Nest bauen hier, krähen da und nachts, nachts übernahm er noch eine Fledermausschicht. So konnte er nie schlafen gehen sondern hatte immer zu arbeiten. Mit den Jahren wurde der Fledermausrabe immer müder und trauriger denn die 2 Leben belasteten ihn sehr. Nicht daß er das besonders gemerkt hätte, die Zeit die ihm dazu geblieben wäre über sein Mißgeschick nachzudenken mußte er ja Mücken sammeln, rumhängen, in Bäumen sitzen oder meckern. Aber tief drinnen im Gehirn machten sich Verschleißerscheinungen bemerkbar. Freunde hatte er auch nicht weil er zur wichtigsten Zeit des Tages ja immer nicht da war und so hatte die Rabenfledermaus eigentlich gar kein Leben, außer den zwei halben.

Wenn er seinen Kollegen von der Rabenarbeit oder seinen Rabeneltern erklären wollte was er nachts so trieb, erntete er nichts als Hohn und Spott. "Hä? Fleder - was? Nachts gibt es doch garnichts. Warum sollte denn dann sonst das Licht ausgehen, hm? Nimm dir einen Rabenkeks und such dir lieber eine nette Frau anstatt uns immer so absurde Märchen zu erzählen". "Aber", sagte der Rabe dann, "was ich erzähle ist doch wahr!". Niemand glaubte ihm je. Schön blöd. Doch weil Raben wirklich glauben nachts wäre nichts, war die Reaktion seiner Artgenossen auch wiederum verständlich. Ameisenbären beharren schließlich auch darauf daß sie nicht viel lieber Schokolade äßen. Und des nachts stehen sie dann auf und können nicht genug davon kriegen.

Wenn er unter Fledermäusen war, verhielt es sich nicht großartig anders. Fledermäuse sind nämlich nicht nur der Ansicht es gäbe keine Sonne,

nein, sie wissen nicht einmal was Licht ist. Und erklär das mal jemandem, was Licht ist. Vor allem wenn du Rabe bist.

Also, den Fledermäusen etwas zu beweisen war sowieso eher schwierig. Denn sie sind außerdem noch sehr religiös. Eine kleine zu nehmen und in die Sonne zu werfen wäre in etwa so wie einen Raben ins Meer zu werfen und ihn zum Atmen zu animieren. Es würde fürchterlich in die Hose gehen.

Eines abends, in der Dämmerung, es waren etwa noch 2 Sekunden bis der Rabe den Fledermausdienst antreten mußte, schaltete sich ein Implantat in seinem Gehirn auf grün und er flog hinauf zu den Sternen. Er flog so hoch das er beinahe mit dem Mond zusammen gestoßen wäre, aber er vermied es und landete stattdessen auf seiner Oberfläche. Vor ihm stand ein großer, bärtiger Mann. Der Rabe erschrak. "Bis du etwa der Mann im Mond?" fragte er. "Halt die Fresse!" antwortete genervt der komische Kauz. "Zum einhundertsten Mal, den `Mann im Mond` gibt es nicht! Alle nennen mich so.... Mann im Mond hier Mann im Mond dort.... wie es nervt! Also, nochmal zum mitschreiben: Ich komme vom Saturn. Ich wohne nicht mal hier! Ich bin hier nur in Vertretung für den der hier eigentlich arbeitet - und Nein, der kommt auch nicht vom Mond , der kommt von der Vega. Kannst du das bitte mal den anderen sagen, wenn ihr hier fertig seit und wieder unten ankommt?" "Ihr?", sagte da verdutzt der kleine Rabe, "wieso ihr? Ich bin doch nur einer. Und womit fertig". Der Rabe war jetzt völlig runter mit den Nerven und hechelte.

"Der Chef bittet um Entschuldigung, kleiner Fehler". War alles was der Mann noch sagte, dann verschwand er. Und der Rabe war nicht mehr allein, jemand stand neben ihm. "Hallo, wer bist denn du?" fragte er. "Hallo mein Rabe. Ich bin deine Fledermaus." "Oh, gut dann wäre das ja geregelt." Und die beiden flogen gemeinsam wieder zur Erde zurück.

Endlich, fanden beide, mußten sie nicht mehr Doppelschichten fahren und hatten Freizeit. Und sie waren Revulutionäre, denn Freunde und trafen

sich immer in der Dämmerung. Wenn die Sonne aufging frühstückten sie zusammen und lachten, und erzählten sich Geschichten von früher. Und wenn die Sonne zu Bett fuhr, gingen sie ins Kino oder machten sich einen gemütlichen Abend. So eine Freundschaft hatte die Welt noch nie gesehen und sie mußte heftig schlucken ob soviel Glück.
 

Ende.