COLONIA RABIDAD (1999)

 

 

Es war einmal ein Haufen Raben die gründeten eine Kolonie, die alles an Ausmaßen übertraf was bisher dagewesen war. Sie bauten sich circa 12 Millionen Nester in den höchsten Wipfeln der Bäume, alle mit Meerblick, und waren glücklich, dass sie so ein schönes Heim gefunden hatten.

Eine Tages kam ein großer Sturm und warf sich an die Küste. Er riss die Bäume um und zerschmetterte die Nester, er peitschte das Meer auf, so, dass es sich bis unter die Wipfel erhob und er brachte mit sich eine eisige Kälte, welche den Rest besorgte. Der Sturm war so dermaßen schrecklich, dass am Ende von den vielen, vielen Raben nur noch zwölf kleine Kinder übrig blieben - alle anderen waren fürchterlich zugrunde gegangen. Und als der böse Alptraum lachend von dannen gezogen war, stiefelten die kleinen 12 Freunde über das Schlachtfeld und beweinten ihre Verwandten und Artgenossen. Alles war zerstört - die Bäume gefällt, die Nester weggeschwemmt, die Rabeneltern und Rabengeschwister ertrunken oder verweht. Die 12 Raben beschlossen fort zu gehen, aber den Ort der Zerstörung niemals zu vergessen.

Tief im Inland gründeten sie eine neue, kleine, Kolonie, bauten neue Nester, heirateten sich gegenseitig, machten frische Rabenkinder und wurden langsam wieder glücklich. Aber sie vergaßen nie.

Viele Jahre später, die Kinder der Kinder der Raben die damals geflüchtet waren, waren schon alt und grau, kam eine kleine Brise vorbeigeweht und streichelte die weisen Rabengesichter. „Hinfort, du böser Wind“, riefen die Raben und scheuchten die leichte Brise umher, „Verschwinde von hier du Mörder!“. „Aber was ist denn?“, sagte der kleine Wind, „ich hab doch gar nichts gemacht! Ich bin doch grade erst entstanden!“. Da merkten die Raben das der Wind noch sehr klein war und baten ihn sich zu ihnen zu setzen. Und sie erzählten die Geschichte ihrer Vorfahren, wie der Wind sie alle tötete und ihre Heimat zerstörte. Der kleine Wind wurde sehr, sehr traurig und weinte viele Tage lang. Schließlich setzte er sich auf und sprach: „Ich schäme mich sehr Wind zu sein, und werde mich ewig schämen. Alle meine Kinder und jeder Wind soll zu allen Zeiten wissen was damals geschah und alle sollen sie ewig den Kopf in Trauer und mit der Bitte um Vergebung senken wenn sie einem Raben begegnen. Für alle Zeiten sollen wir Winde die Diener der schwarzen Vögel sein, denn was geschehen ist kann nie vergeben oder gesühnt werden. Und der Wind der vergißt soll verdammt sein.“ So sagte der kleine Wind und die Raben wischten sich eine Träne aus dem Auge. Denn sie dachten an die vielen Verwandten die damals starben und daran das der Wind nun verstand was er vor langer Zeit getan hatte.

So kommt es das seitdem der Wind den Vögeln dient und sie trägt wohin und so weit sie wollen, ohne Entfernungspauschale oder Bahncard.